KTS Schüler in Japan

Japan Reise 2019

Auf dieser 12. „Klassenfahrt nach Japan“ nahmen erstmals Schülerinnen und Schüler aus allen drei Schulen mit Japanisch-Unterricht teil:

  • drei Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Rodenkirchen (9.-11. Klasse, vier Jahre Japanisch-AG)
  • zwei Schülerinnen und Schüler der Kaiserin-Theophanu-Schule Köln (Jgst. 10, ein Jahr Japanisch-Grundkurs)
  • ein Schüler des CJD Königswinter (Jgst. 11, zwei Jahre Japanisch-Grundkurs)

Leitung und Organisation: Japanisch-Lehrerin Heike Trumpa.

Zeitraum: 31. Juli -12. August 2019

Die Reise begann am Kölner Hauptbahnhof, wo zahlreiche Eltern ihre Kinder verabschiedeten. Mit einem Zwischenstopp in Seoul (der vor allem bei den -weiblichen- K-Pop-Fans in der Gruppe sehr beliebt war) traf die Gruppe dann ca. 23 Stunden später im Hostel in Kyōto ein. Von Ermüdung keine Spur; im Gegenteil, um 2 Uhr nachts saßen wegen Jetlag fast alle noch in bester Stimmung beisammen!

Dies war natürlich kein günstiger Auftakt, um in den Rhythmus zu kommen und vor allem, um das Programm der nächsten Tage bei heißen und schwülen Temperaturen zu bewältigen. So standen am ersten Tag der Kiyomizu-dera (Tempel des reinen Wassers), der Ginkaku-ji (Silberner Tempel) mit seinem wunderschönen Garten und die Innenstadt auf dem Programm, u.a. angereichert durch Karaoke.

Am Folgetag besichtigten die SuS den Goldenen Tempel Kinkaku-ji,

die Shōgun-Residenz Nijōjō und den Fushimi Inari Taisha mit seinen tausenden roten Schreintoren. Hier wurde auch der Gipfel (233 Meter…) erklommen, und der Rückweg glich fast schon einer Nachtwanderung.

Der nächste Tag (an dem zum ersten Mal der Rail Pass zum Einsatz kam) führte nach Nara. Großer Beliebtheit erfreute sich das Füttern der (leicht gesättigt wirkenden) Rehe, aber auch der Tōdaiji, die größte Holzkonstruktion Asiens, und die 13 m hohe Buddha-Statue im Inneren hinterließen einen tiefen Eindruck – unterstrichen dadurch, dass man durch das Loch in einer Säule, das den Maßen des Nasenlochs Buddhas entsprach, hindurch krabbeln konnte. Weiter ging es dann zum Kasuga-jinja mit seinen unzähligen Steinlaternen.

Auf dem Rückweg rundete ein Besuch im Game Center den Tag ab; der Kontrast zu tradtitioneller Kultur und Moderne hätte größer nicht sein können.

Am Tag danach fuhr zum ersten Mal überhaupt eine SuS-Gruppe nach Ōsaka. Einige vorab befragte Japaner hatten bereits geäußert, dass es außer „Shoppen und Essen“ nicht viel zu tun gäbe, und dies bestätigte sich bald. Dennoch gab es viel zu sehen und auszuprobieren, und abends traf sich die Gruppe wieder, um eine Bootsfahrt im belebten und erleuchteten zentralen Viertel mitzumachen und eine Runde auf einem ovalen Riesenrad (77 m!) zu fahren.

Über das schönste und größte Schloss Japans in Himeji, das bei bestem Wetter erklommen wurde, ging es dann weiter nach Hiroshima. Der Rundgang durch das Atombomben-Museum beeindruckte die SuS sehr und bereitete gleichzeitig auf die Zeremonie zum Gedenken an den Abwurf der Atombombe am 6. August 1945 vor. Dafür standen alle am nächsten Morgen um 5 Uhr auf, um noch einen Sitzplatz unter dem Zeltdach zu ergattern. Vorab wurde die Japanisch-Lehrerin Heike Trumpa noch von einem Journalisten der Wirtschaftszeitung Nikkei Shimbun interviewt (s. Anhang). Die Zeremonie war sehr feierlich und minutiös geplant, wenn auch hin und wieder durch Gegendemonstrationen gestört, u.a., als Ministerpräsident Abe sprach.

Es schloss sich ein Ausflug nach Miyajima an, wo das berühmte rote Schreintor im Wasser steht – diesmal war es allerdings eingerüstet.

Dennoch war die Insel einen Besuch wert, nicht zuletzt, weil die Gruppe in einer Art Koch-Workshop lernen konnte, Momiji-manjū (süße Taschen mit verschiedenen Füllungen in Ahornform) zu backen. Abends in Hiroshima herrschte eine besondere Stimmung: zur Erinnerung an die Opfer vor 74 Jahren wurden über 7.000 Laternen zu Wasser gelassen.

Der nächste Tag wurde fast vollständig mit Zugfahren, zum größten Teil im Superschnellzug Shinkansen, verbracht. Ziel war Itō auf der Izu-Halbinsel, bereits kurz vor Tōkyō. Eine gute Gelegenheit, einmal den langsameren Rhythmus auf dem Land zu erleben, aber durch die dortige Hostel auch die Chance, japanische Wohnkultur in Reinform kennenzulernen: das Gebäude ist ein japanisches Gasthaus (ryokan) und verfügt sogar über eine hauseigene Quelle (onsen). Die Zimmer im japanischen Stil fanden bei den SuS großen Anklang und hoben die Stimmung ungemein.

Als krönender Abschluss fand am Abend dann noch am Strand ein Feuerwerk statt. Der vorletzte Reisetag war dem Besuch einem der schönsten Strände Japans gewidmet, mit einem unglaublichen Wellengang. Abends wurde auch in Itō ein Laternenfest gefeiert, das sogar vom Gasthaus aus beobachtet werden konnte.

Am 9. August war es dann soweit: der Transfer nach Tōkyō und das Treffen mit den Gastfamilien standen an. Diese waren über die Kontakte zu Frau Miyatani (Deutschlehrerin an der Musikhochschule Kunitachi) und ihren Mann sowie über Frau Maruyama am Goethe-Institut (GI) Tōkyō gefunden worden. Einen herzlichen Dank an dieser Stelle für die Vermittlung!

Das GI war dann auch dankenswerterweise Treffpunkt für die japanischen Familien und die SuS, und von Freitagnachmittag bis Sonntagabend „verschwanden“ dann alle in ganz unterschiedliche Gegenden der Metropole Tōkyō.

Die Reaktionen auf den Homestay waren danach wieder unglaublich positiv: zum einen wurde den SuS der normale japanische Familienalltag gezeigt, gemeinsam gekocht/gegessen (Sushi oder japanische Pfannkuchen…) und auch ein privates Feuerwerk veranstaltet. Zum anderen wurden die verschiedenen Gegenden von Tōkyō vorgestellt: der große Tempel in Asakusa, aber auch moderne „schrillere“ Viertel wie Harajuku, Shibuya oder Shinjuku (und in zwei Fällen aus gemeinsamem Interesse die „Korea Town“) sowie auswärts gegessen.

Die Gastfreundschaft der Familien wird den SuS noch lange in Erinnerung bleiben, wie auch einige Zitate zeigen:

  • Eine wundervolle Erfahrung, bei der ich viel über Japan und die japanische Art zu leben gelernt habe.

  • Der Einblick in den japanischen Alltag war sehr interessant, aber leider sehr kurz. Doch ich habe mich sehr schnell sehr wohl gefühlt.

  • Die Gastfamilie war sehr freundlich und hilfsbereit, und die Tage waren spannend und abwechslungsreich gestaltet.

  • Der Homestay war eine einzigartige Erfahrung, und ich habe ihn sehr genossen. Man wurde sozusagen „ins kalte Wasser“ geworfen und war gezwungen, viel Japanisch zu reden. Ich werde den Kontakt auf jeden Fall aufrecht erhalten.

  • Dank meiner Gastfamilie war es mir möglich, vieles aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

So trafen die SuS und die Familien am Sonntagabend bei bester Laune am verabredeten Treffpunkt ein, und war ein intensiver Abschied. Einen großen Dank an alle Host Families!!!

Nach einer Mütze Schlaf im „Goethe-Hotel“ in der Nähe des Flughafens (das ein wenig an ein Love Hotel erinnerte) standen dann um 3.30 in der Früh die Taxen zum Flughafen bereit. Es folgte ein besonderes Bonbon: die Ansicht des Fuji-san (mit 3.776 m der höchste Berg Japans) vom Flugzeug aus! Und nach 24 Stunden Reisezeit trafen dann Kinder und Eltern wieder am Kölner Hauptbahnhof zusammen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Reise sehr unproblematisch war, was äußere Faktoren anbetrifft: das Wetter spielte (bis auf einen Taifun-Ausläufer in Hiroshima) immer mit, es gab keine Erdbeben, und von Unfällen, Krankheiten, Sonnen- oder schlimmeren Insektenstichen sind alle verschont geblieben. Allerdings erschwerte die „Individualität“ einiger SuS die Gruppenbildung, die eigentlich einen großen Teil der Reise ausmacht. Ebenso wird die Rolle des Handys immer stärker; nur (immerhin?) ein Schüler war ganz ohne unterwegs, den anderen fiel es schwer, sich auf das Nötigste zu beschränken. Auch das Handy war sicherlich ein Faktor, dass die Zeit zum „socializing“ und dem gemeinsamen Verarbeiten des Tags immer zu knapp war.

Da alle minderjährig waren, waren Pünktlichkeit, Tempo und schnelles Erfassen von Situationen und die entsprechende Reaktion immer einmal wieder Thema. Auch wurde die Reise mit einem Rucksack von einigen als beschwerlich empfunden. Dafür war (trotz einer Low-Budget-Reise) vor allem bei den Mädchen Shoppen immer wieder groß angesagt, so dass ein Koffer sicherlich nicht alles hätte fassen können.

Dennoch wurde in kurzer Zeit viel gesehen und erlebt und Japan mit seinen vielen verschiedenen Facetten gut erfasst. Die Hostels der Kette K’s House waren verlässliche Partner und „steigerten“ sich: so war die Herberge in Kyoto außen und innen westlich, in Hiroshima wurde schon in japanischen Räumen geschlafen, und Itō präsentierte sich ganz japanisch.

Fast immer zeigten sich alle offen für die Küche Japans, und so konnte bereits vor dem Homestay die ganze Vielfalt genossen werden: Soba/Udon, Sushi, Curryreis, diverse Kleinigkeiten in einem Family Restaurant und in einer Kneipe (darunter rohes Pferdefleisch!), Tempura, o-bentō, o-konomiyaki, Mc Donald’s-Frühstück, Rāmen und sogar Nattō (fermentierte Sojabohnen, klebrig und Fäden ziehend)!

Alle Begegnungen mit Japanern sind in positiver Erinnerung geblieben; einige waren so besonders, dass sich die mitgeführten Haribo-Tütchen und Mini 4711-Fläschen als sehr gute Idee erwiesen, um sich zu bedanken, so wie z.B. hier in Ōsaka.

Abschließend noch einige SuS-Bemerkungen zur Reise insgesamt:

  • „Eine schöne Reise, bei der man alle Seiten Japans kennenlernen konnte!“

  • „Eine unbeschreibliche, spannende Reise, die mich dazu angeregt hat, mein Japanisch verbessern zu wollen.“

  • „Es lohnt sich, nach Japan zu kommen!“

  • „Es war eine tolle Erfahrung! Ich bin davon überzeugt, auf jeden Fall noch einmal nach Japan zu reisen.“

  • „Ein einmaliges Erlebnis, durch das aufregende und vielfältige Japan zu reisen.“

Und vielleicht bringt auch dieser Ausspruch einer Schülerin die Sache auf den Punkt, missmutig geäußert beim Anflug auf Frankfurt: „Mann, sieht das gleich wieder langweilig aus da unten!“

So bleibt zu hoffen, dass die SuS ihren Bezug und auch die Kontakte zu Japan beibehalten oder sogar weiter ausbauen. Wer weiß, vielleicht kommen ja die einen oder anderen Gastfamilienmitglieder nach Deutschland, oder es ergibt sich die Gelegenheit, noch einmal nach Japan (vielleicht in Kombination mit einem anderen spannenden asiatischen Land) zu reisen!

Heike Trumpa, Leiterin der Japanisch-Grundkurse und der Japanisch-AG